STEFAN KUNTZ TRAUT SICH WAS

Kommentar

Stefan Kuntz traut sich was

Die Vita von Stefan Kuntz ist abwechslungsreich. Er war Polizist und Publikumsliebling, FCK-Vorstandschef und U21-Nationaltrainer. Jetzt wird er Sportvorstand beim Hamburger SV.

Stefan Kuntz ist ein mutiger Mann. Das war 2008 so, als er am tiefen Abgrund zur dritten Liga seinen Herzensklub 1. FC Kaiserslautern als Vorstandschef übernahm und binnen zwei Jahren in die Bundesliga zurück navigierte. Und das ist auch jetzt wieder so, da der noch immer sehr jugendlich daherkommende 61-Jährige sich den Hamburger SV antut.

In Kaiserslautern hat der Menschenfänger es seinerzeit geschafft, mit seiner Hingabe und einer später preisgekrönten „Herzblut“-Marketingkampagne die ganze Pfalz hinter dem FCK zu versammeln. Es kommt sicher nicht von ungefähr, dass der einstige Nationalstürmer bei seinen Vorträgen vor Managern gerne über „Unternehmensführung und Emotionen“ referiert. Die harten finanziellen Kennzahlen sind eher nicht sein Fachgebiet.

Als Kuntz Jahre später aus dem Amt gemobbt wurde, wie es in Kaiserslautern gerne mal der Fall sein kann, waren die Roten Teufel noch ein solider Zweitligist. Der Absturz in vier Jahre Drittklassigkeit erfolgte erst nach ihm. Ein bestelltes Feld hatte Kuntz nicht hinterlassen.

Seine Vita ist erstaunlich abwechslungsreich: Er war Polizist, Publikumsliebling, Trainer unterklassiger Mannschaften, orientierte sich neu, absolvierte ein Sportmanagement-Studium, war Sportlicher Leiter beim VfL Bochum, Boss beim FCK und entschied sich danach, wieder zurück in den Trainerberuf zu wechseln. Sein Umgang mit den deutschen U21-Doppeleuropameistern gilt als beispielhaft für gelungene Menschenführung.

Fast wäre Kuntz, der zwischenzeitlich die schwer erziehbare türkische Nationalmannschaft coachte, gar Bundestrainer geworden. Dass er nun seine Karriere noch einmal um 180 Grad wendet, zeigt seine Flexibilität, zwischen Coachingzone und Chefsessel zu mäandern. Er ist ein wissbegieriger Mensch, meist gut gelaunt, der anzupacken weiß und es gleichermaßen versteht, mit Sponsoren und Politikern zu dinieren oder mit Fans in der Eckkneipe kumpelhaft ein Bier zu zischen.

Es könnte also passen beim HSV. Seine Erfahrungen aus Kaiserslautern und der Türkei dürften dem alerten Alphatier hilfreich sein. Er ist entsprechend gestählt. Aber er hat mit Trainern auch schon grotesk danebengelegen (Krassimir Balakow im Bundesliga-Abstiegsjahr 2012). Er muss erst noch beweisen, dass er es an diesem komplexen Standort besser kann als Jonas Boldt. Wird schwer. Kuntz kennt das ja.

2024-05-22T13:52:47Z dg43tfdfdgfd